Neujahrsessen der Schleswiger SPD

Wenn die SPD Schleswig ihr Neujahrsessen ausrichtet, dann ist das immer wie ein großes Familienfest. Gut 40 Gäste im Alter zwischen zwei und 87 Jahren hieß der Ortsvereinsvorsitzende Henrik Vogt am Sonntag, dem 15. Januar 2017, willkommen. Sie waren bei strahlendem Sonnenschein und knackiger Kälte herbeigeströmt, um sich im Gespräch miteinander über vergangene und kommende Zeiten auszutauschen.

Für die vielen politisch aktiven Gäste gab es natürlich Themen genug, und unser Schleswig ist ja auch ein Ort, der mit seinen vielen Baustellen reichlich Stoff für kreativ gestalterische Ideen hat, vom Theater auf der Freiheit über das Hertie-Gebäude, das Parkhaus, den Bahnhof bis hin zu den Leerständen im Stadtweg, um nur einige zu nennen.

Auch die große Politik gab sich ein Stelldichein: Der Bundestagskandidat für unseren Wahlkreis, Clemens Teschendorf, arbeitete in seiner standfesten Ansprache den Schwerpunkt seiner politischen Arbeit heraus: Gerechtigkeit! Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die allen sozialen Errungenschaften zum Trotz immer mehr auseinanderdriftet und in der die Ungleichheit zwischen den hohen Einkommen und Vermögen und den kaum den Arbeiter, geschweige denn seine Familie ernährenden Löhnen immer größer wird.

Und unsere gegenwärtige und zuversichtlich auch zukünftige Landtagsabgeordnete Birte Pauls informierte in einer kurz und prägnant gehaltenen Rede über ihre Tätigkeiten und hob die Erfolge der Küstenkoalition hervor, die sie maßgeblich mitgestaltet hat und auch ab Mai 2017 weiter mitgestalten wird.

Sie übernahm zusammen mit Jan-Henrik Vogt die Ehrung der Jubilare des Tages, die der altehrwürdigen Sozialdemokratischen Partei Deutschland über Jahrzehnte die Treue gehalten und sich im Beruf wie im sozialen Leben und auch in vielen politischen Ämtern für sie eingesetzt haben:

Werner Maeck (87), seit 50 Jahren Sozialdemokrat aus Masuren in Ostpreußen, hat sich politisch vom nationalsozialistischen Vater abgewendet. Nach der Flucht gelangte er ins Auffanglager Friedland und wurde von dort „verteilt“. Als Arbeiter schuftete er in der Landwirtschaft, als Dachdecker und im Tief- und Straßenbau.
Nach dem Besuch der Bauschule und, aufbauend, der Baubürogenossenschaft Harburg, wurde ihm eine leitende Stellung im Straßenbau nördlich des Nordostseekanals übertragen, wo er unter anderem die B76 verantwortlich „auf Vordermann“ brachte.
Über die Gewerkschaft kam er zur SPD; Helmut Schmidt mit seiner zupackenden Art bei der Bewältigung der Flutkatastrophe Hamburg hat ihm imponiert.

Werner Maeck war 5 Jahre Ratsherr in Neustadt und später viele Jahre in Schleswig. Vornehmlich war er im Bauausschuss tätig.

Ulrike (76) und Hansjürgen (81) Buyken sind vor 50 Jahren gemeinsam in die Partei eingetreten. Dabei hatte Jürgen Anbuhl, ehemaliger Bürgervorsteher in Eckernförde, einen entscheidenden Beitrag daran,das s Ulrike und Hansjürgen zusammen den Weg in die SPD fanden. Die Politik von Willy Brandt und Herbert Wehner überzeugte beide. Familienbesuche waren in dieser Konstellation immer spannend. Für die Lehrerin der Bruno-Lornenzen-Schule und den Lehrer der Lornsenschule waren bildungspolitische Fragen und das Kümmern um soziale Gerechtigkeit vorrangiger Ansporn der Parteiarbeit in der SPD. Hansjürgen engagierte sich von 1970 bis 1980 in der SPD-Fraktion im Schul- und Kulturausschuss. Ulrike, die ihren Mann bei der Ehrung vertrat, empfahl den Jungen, in die SPD einzutreten, weil diese Partei ein breites politisches Spektrum und die Möglichkeit bietet, eigene Ideen einzubringen und selbst Hand anzulegen.

40 Jahre ist Annegret Vahle Mitglied der SPD. Aus einem eher konservativen Flensburger Elternhaus stammend, hatte sie ihr Erweckungserlebnis auf einer Veranstaltung über Friedenspolitik im Deutschen Haus: Dort erlebte sie Willy Brandt live. Nach eigenen Aussagen ein „GänsehautEreignis“, und Annegret merkte, dass sie immer linker wurde. Nach beruflichen Stationen des Lehrerehepaares Vahle in Berlin Kreuzberg konnte sie in Schleswig-Holstein beruflich erst nur schwer Fuß fassen, aber Untätigkeit lag ihr nicht. In Marne leitete Annegret 10 Jahre als Stadträtin den Schul- und Kulturausschuss und über 15 Jahre den SPD-Ortsverein; ferner war sie 4 Jahre ASF-Vorsitzende. Ihre Schwerpunkte waren die Ost-und Friedenspolitik und ihre Aktivität in der Anti-Atomkraftbewegung.

Natürlich klappte es auch irgendwann mit dem Beruf, und Annegret arbeitete bis zu ihrer Pensionierung als Schulleiterin in Klein Bennebek.

Auch Alice Bauch (82) gehört seit 40 Jahren der Partei an. Auch für sie ist Willy Brandt die herausragende Persönlichkeit gewesen. Sein Auftritt in Neumünster war ein echtes Erlebnis, sagt sie. Die Schleswigerin, die quasi die Sozialdemokratie mit der Muttermilch aufgesogen hat, ist gelernte Verkäuferin, war auch gewerkschaftlich aktiv und bei ID Sievers im Betriebsrat. Aber in die Partei folgte sie ihrem Mann Heinz erst ca. 10 Jahre nach seinem Eintritt. In zahlreichen Wahlkämpfen stand die ganze Familie mit Kind und Kegel parat, um zum Beispiel die Sonntagszeitungen zu verteilen: „Da gehört man hin, da hat man immer dazu gehört.“. Heute ist Gerechtigkeit im sozialen Bereich ihr Ansporn für weiteres Engagement; sie ist empört, dass die Löhne oft zu gering seien und die Familiengründung für junge Leute deshalb ein unsicheres Unterfangen ist.

Für 25-jährige Mitgliedschaft wurde der gebürtige US-Amerikaner William W. McKinney (63) geehrt. Die deutsche Entspannungspolitik Willy Brandts faszinierte ihn schon als Schüler; sein Interesse dafür zog ihn 1973- 1974 im Rahmen eines Studentenaustausches das erste Mal nach Deutschland, und während seines Geschichtsstudiums verfasste er Arbeiten darüber. Ab 1979 studierte er in Hamburg und ließ sich von Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Egon Bahr, Helmut Schmidt und Björn Engholm beeindrucken. Durch seinen Schwiegervater kam er zur Gewerkschaft (damals Minderung, heute verdi) und zur SPD. Sein zentrales Thema ist der Einsatz für Arbeitnehmerrechte, und viele Jahre arbeitete William in Flensburg im European Center of Minority Issues (ECMI).

Jede Ehrung wurde mit der feierlichen Übergabe einer von Sigmar Gabriel, Ralf Stegner und Jan Henrik Vogt unterzeichneten Urkunde nebst roter Rose und dem Anheften der Ehrennadel bzw. -brosche durch Birte Pauls abgeschlossen.

Nach diesem umfangreichen Programm gab es erstmal Grünkohl, der vom Küchenteam des Deutschen Hofs lecker und mit dem üblichen „schweinischen“ Dreierlei nebst vielfältiger Kartoffelkunst dargeboten wurde. Die Gäste ließen es sich schmecken und lauschten anschließend den plattdütschen Geschichten, mit denen Inge Brix ihnen den Angelner Landarzt Dr. Strunk liebevoll näherbrachte. Aber auch Samuel, der sein Gelübde zwar nicht halten konnte, es indes, kaum gebrochen, gleich wieder erneuerte, brachte die Gäste zum Schmunzeln. Selbstverständlich durfte die unendliche Geschichte von Frieda und Karl in ihrem Gurkenparadies und dem warmem Köm nicht fehlen.

Ein rundum gelungenes Neujahrsessen – und auch kein schlechter Grund für einen Parteieintritt.

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