Perspektive für die Kulturarbeit

Fraktionsvorsitzender Stephan Dose Bild: SPD Schleswig

Schleswig hat in der jüngsten Vergangenheit stark leiden müssen: Wegzug des Volkskunde-Museums, wir sind nicht mehr Hauptstandort des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, sondern lediglich Abstecherort und die freiwillige Aufgabe der Bezeichnung als Kulturstadt.

Dennoch denke ich, dass die Perspektiven nicht so schlecht sind. Schleswig besteht im Kulturbereich eben nicht „nur“ aus Schloss Gottorf, Landestheater oder Stadtmuseum. Wir haben eben auch z. B. die Kulturvereine, das Musuem für Outsiderkunst, die Doris-Rüstig-Ladewig-Stiftung, Lesungen im Oberlandesgericht, den Schleswiger Jazzherbst, Veranstaltungen in der Bücherei oder auch den sozio-kulturellen Bereich im FKKZ – und noch viel, viel mehr. Ein sehr breites und vielfältiges Angebot, dass sowohl mit hauptamtlichem Engagement aber insbesondere mit sehr sehr viel Ehrenamt betrieben wird.

Mit der neu eingerichteten Kulturkonferenz, die der Kultur eine Stimme geben und die Kulturschaffenden vernetzen soll, sehe ich uns auf einem guten Weg und auch der Erwerb des Mannschaftsheims bietet vielfältige Chancen.

Die Schleswiger SPD-Fraktion möchte keine Schwächung der Kultur in Schleswig. Deshalb haben wir als eines der Oberziele für die Stadtentwicklung die Stärkung des Kulturstandortes beschlossen. Dazu stehen wir auch.

Stadtmuseum

Das Stadtmuseum ist – zusammen mit dem Gemeinschaftsarchiv – das Gedächtnis der Stadt Schleswig. Es ist eines der traditionsreichsten Stadtmuseem in einer der ältesten Städte in Nordeuropa.

Es hat nicht nur eine Bedeutung für die Stadt Schleswig, sondern insbesondere für den Stadtteil Friedrichsberg. Und auch für dieses historische Gebäudeensemble haben wir eine besondere Verantwortung. Für die SPD ist es gut vorstellbar, dass dort neben dem Weinfest weitere Veranstaltungen stattfinden, um das Stadtmuseum stärker in den Fokus zu setzen und eine engere Bindung zur Bevölkerung zu erreichen

Wir werden das alles gewiss nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Die SPD-Fraktion steht zum Stadtmuseum, wir haben bereits in 2014 einen Grundsatzbeschluss zum Erhalt gefasst.

Gleichwohl muss man die finanzielle Situation der Stadt Schleswig im Auge haben. Wir werden uns daher intensiv mit dem Bericht des Landesrechnungshofes auseinandersetzen. Die Verwaltung hat dazu einen Vorschlag zur Einrichtung einer Lenkungsgruppe unterbreitet, den die SPD mittragen kann. Wir haben in der Ratsversammlung einen ähnlichen Vorschlag gemacht. Auch der Blick über den Tellerrand kann helfen, wobei man da aufpassen muss, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Wir werden sehen, ob und wie man die Wirtschaftlichkeit verbessern kann.

Selbstverständlich müssen wir auch über Einnahmeverbesserungen nachdenken, wie z. B. eine verstärkte Kooperation mit Schloss Gottorf (das sollte allerdings auf Augenhöhe passieren und nicht als Juniorpartner) oder z. B. die Einführung eines Sozialtarifes um mehr Kunden zu erreichen. Dazu werden wir im Kulturausschuss einen Vorschlag unterbreiten.

Sinnvoll ist auch die Aktualisierung der Ausstellung zur Schleswiger Stadtgeschichte mit der Aufwertung des museumspädagogischen Bereichs und der noch stärkeren Betonung der deutsch-dänischen Geschichte. Das ist ja das Ergebnis einer externen Beratung, für die wir auch gern – zumindest in Teilen – umsetzen wollen. Bei der Umstrukturierung würde es Sinn machen, die neue Museumsleitung von Anfang an einzubinden.

Die von der Ratsversammlung mit Mehrheit beschlossene Widerbesetzungssperre für die Museumsleitung halte ich daher für kontraproduktiv und voreilig, zumal das nicht nur das Stadtmuseum, sondern auch andere Einrichtungen negativ betrifft. Es ist sehr bedauerlich, dass das Stadtmuseum durch diesen mehrheitlichen Beschluss der Ratsversammlung in diese negative Diskussion gekommen ist.

Ehrenamtliche Kulturarbeit – Förderrichtlinien

Es ist sinnvoll, Förderrichtlinien zu haben. Diese sollen jedoch nicht abschrecken, sondern unterstützen und einen klaren Rahmen schaffen. Wenn mir alle Kulturschaffenden jedoch sagen, dass die Schleswiger Richtlinien zu komplex sind, dann kann das ja nicht ignoriert werden.

Ich bin bereit, über Vereinfachungen nachzudenken. Dazu gehört, dass wir den Beantragungszeitpunkt auch etwas weiter nach hinten verlagern können. Ich finde es aber absolut sinnvoll, dass wir sagen, keine Förderung für kommerzielle Veranstaltungen. Förderung nur bei defizitären Veranstaltungen und ein Verwendungsnachweis muss eben auch sein. Das muss auch nicht allzu kompliziert sein.

Hinsichtlich des Fördertopfes von 13.500 € muss man feststellen, dass der tatsächlich sehr, sehr knapp bemessen ist. Wir haben bereits angeregt, diesen Topf zu erhöhen, jedoch dazu keine Rückmeldungen der anderen Fraktionen. Auf einen Antrag haben wir angesichts der Haushaltslage (geplantes Defizit von 4,9 Mio. €) nicht beantragt, zumal der Topf für dieses Jahr dann noch nicht mal ausgeschöpft ist.

Anregungen wie z. B. die Wiedereinführung des Schleswiger Kulturpreises nehmen wir gern auf.

Erwerb des Mannschaftsheims auf der Freiheit

Der Erwerb ist eine große Chance für Schleswig. Die Stadt Schleswig signalisiert damit gegenüber dem Landestheater, dass wir bereit sind, über unsere vertragliche Verpflichtung hinaus, also über 2019 hinaus, eine Spielstätte für das Landestheater anzubieten.

Wir hoffen, dass das der Weg ist, dass auch der Kreis Schleswig-Flensburg wieder in die GmbH eintritt.

Darüber hinaus können wir damit auch sicherstellen, dass das Angebot der Heimat weiterhin in Schleswig stattfindet. Die Heimat ist ein Besuchermagnet und zieht viele Menschen in unsere Stadt.

Das Mannschaftsheim bietet auch die Möglichkeit für weitere kulturelle Veranstaltungen oder größere Feste. Nutzung durch Kulturvereine oder soziokulturelle Veranstaltungen, wie durch das FKKZ sind weitere Möglichkeiten.

Wenn alles klappt, dann wird Schleswig eine Kulturhaus haben, das seinesgleichen sucht.

Das entspricht dann genau dem Antrag, den wir in der Ratsversammlung im April 2014 gestellt haben und dem die Ratsversammlung dann auch gefolgt ist.

Das alles ist allerdings nicht ohne Risiko. Der Umbau im laufenden Betrieb und die Erstellung eines B-Plans sind durchaus noch Herausforderungen, die nicht einfach zu meistern sind. Alle ziehen da jetzt jedoch an einem Strang und ich bin da durchaus optimistisch.

Noch ein Wort zum Förderverein neue Schleihalle. Ich schätze das Engagement sehr. Ich habe aber die Bitte, dass das Projekt Mannschaftsheim nicht gefährdet wird und wir am Ende mit leeren Händen dastehen.  Wir werden für das Landestheater sicher nicht alle Wünsche erfüllen können und da kann der Förderverein durchaus noch sehr hilfreich sein und unterstützen.

Stephan Dose

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