Jubiläumsveranstaltung 135 Jahre SPD Schleswig

Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky auf der Jubiläumsveranstaltung Bild: SPD Schleswig

Am 3. Mai 2013 feierte die SPD in Schleswig nicht nur den 150. Geburtstag der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland, sondern beging gleichzeitig den 135. Jahrestag der Gründung des SPD-Ortsvereins Schlewig. Anlässlich dieses Jubiläums wurde auch die Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu 150 Jahren SPD den Gästen präsentiert. Die Ausstellung ist zwischen dem 6. und dem 17. Mai in der Volkshochschule Schleswig zu sehen.

Gleich zu Beginn des Festaktes im Ständesaal des Schleswiger Rathauses bewies die Ortsvereinsvorsitzende Birte Pauls, dass die SPD immer für eine erfrischende Überraschung gut ist. Nach einem musikalischen Intro durch die diesjährigen Landessieger des Wettbewerbes „Jugend musiziert“, die Schüler der Schleswiger Musikschule Martina Christiansen und Benedikt Lange, begrüßte Birte Pauls kurz vom Rednerpult aus mit einem „Hallo Alle!“ die anwesenden Gäste, um sodann „bewaffnet“ mit einem Mikrofon ins Publikum zu gehen. Auf die Frage, was ihm zur Schleswiger SPD einfiele, antwortete der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner, dass in Schleswig nicht nur immer viel Theater sei (!), sondern dass obendrein die Schleswiger SPD ein ganz großes Stück Geschichte der SPD mitgeschrieben hat.

Auf die Frage von Birte Pauls, ob sich die Sozialdemokraten in der Ratsversammlung benehmen würden, antwortete der Hausherr, Bürgervorsteher Heinrich Böhmer, dass er zufrieden sei – worauf ihm CDU-Ortsverbandsvorsitzender Frank Neubauer launig widersprach: „Ich hätte eine andere Antwort gegeben!“

Ob er unter dem SPD-Ortsverein gelitten hätte? Der ehemalige Landtagsabgeordnete Holger Astrup bekannte: „Nicht wirklich, es gab fast immer Kaffee, Kuchen und belegte Brötchen – Ich bin mit wenig zufrieden!“, worauf der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Ingo Degner augenzwinkernd ergänzte, dass ihn die SPD immerhin 40 Jahre seiner Freizeit gekostet hätte.

Ove Jensen, Redakteur der Schleswiger Nachrichten, freute sich darüber, dass SPD-Veranstaltungen anders als früher nicht mehr verqualmt wären. Wolfgang Schoofs, Geschäftsführer der Schleswiger Stadtwerke, deutete seine Wünsche für die Zukunft an: „Die SPD betreibt verlässliche kommunale Wirtschaftspolitik und ist ein fairer und verlässlicher Partner – aber leider sind von der SPD nur Jungs im Aufsichtsrat!“

Die Zusammenarbeit klappe wunderbar, befanden Dr. Babette Tewes (Grüne Schleswig) und Uwe Jensen (SPD Borgwedel), und Malte Nelson (AWO Schleswig) fasste zusammen: „Die Zusammenarbeit geht ganz klasse. Mit Maren (Korban) und der SPD im Rücken kann einem nichts passieren!“ Und Sönke Schlossmacher von der Schleswiger Feuerwehr fand sogar, die Feuerwehr und die SPD hätten viel gemeinsam: In beiden sei man ehrenamtlich tätig und „immer wenn es bei Ihren Entscheidungen brenzlig wird, kommen wir löschen!“

Nach einer kurzen musikalischen Pause leitete Birte zu den Grußworten über, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sie vor 10 Jahren den Ortsvereinsvorsitz übernommen hatte und der 125. Geburtstag der Schleswiger SPD ihr erster großer Auftritt als Ortsvereinsvorsitzende gewesen ist. Damals hätten ihr ordentlich die Knie geschlottert. Heute, im letzten Jahr als Ortsvereinsvorsitzende, könne sie festhalten: „Es ist mir immer eine Ehre gewesen, den Ortsverein zu vertreten!“

In seinem Grußwort freute sich Bürgervorsteher Heinrich Böhmer, dass eine so traditionsreiche Partei wie die SPD Schleswig heute in den „traditionsgeschwängerten Räumen“ des Schleswiger Rathauses feiern würde. Als Bürgervorsteher wäre der nicht sehr häufig auf 135. Geburtstagen, sondern eher auf 90. Geburtstagen: „Ich stelle eine erhebliche Diskrepanz fest zwischen der Frische der 90jährigen Jubilare und dieser 135 Jahre alten Jubilarin, denn die SPD ist noch außerordentlich frisch!“ Als Geburtstagsgeschenk überreichte er ein Schleswiger Stadtwappen.

SPD-Landesvorsitzender Ralf Stegner, der scherzhaft mit einer 85-Minuten-Rede gedroht hat, spannte einen Bogen zwischen der SPD in Stadt und Land. Die SPD sei die patriotischste Partei, denn sie hat immer Verantwortung für dieses Land übernommen. Sie sei keine starke Museumsabteilung, sondern habe Kraft bis heute. Er verwies darauf, dass die SPD nicht nur stolz sein könnte auf ihre Geschichte, sondern diese auch von den Mitgliedern abverlangen würde, sich stets die historische Dimension des eigenen politischen Handels bewusst zu machen. Mit der Aussage, „Die SPD ist eine Geschichte der Kontinuität“, leitete Stegner einen historischen Bogen ein, den er mit dem berühmten Zitat von Otto Wels anlässlich des nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetzes begann, gegen das sich nur die Abgeordneten der SPD im Reichstag stellten: „Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus. Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten.“ Für die SPD als älteste Partei des Kontinents gehe es seit 150 Jahren darum, sich nicht mit der alltäglichen Realität abzufinden. „Ziele und Visionen müssen über den Tag hinaus gedacht werden, darum ist die SPD immer Programmpartei geblieben. Machtpartei waren wir nie, auch wenn uns das manchmal geschadet hat!“ Ralf Stegner wies darauf hin, dass Partei auch heißt, Partei zu ergreifen. Und auch die Tatsache, dass die verschiedenen Flügel der Partei keine Schwäche seien, sondern Voraussetzung, dass man fliegen könne. Er wies darüber hinaus darauf hin, dass es eine Besonderheit des Schleswiger Ortsvereines gebe, nämlich die Gründung vor den Bismarck´schen Sozialistengesetzen in einem preußisch-konservativen Umfeld : „Die Gründer des Schleswiger Ortsvereines haben hier sehr viel Mut bewiesen!“ Ralf Stegner schloss mit dem Zitat von Willy Brandt: „Politik taugt nur etwas, wenn sie das Leben der Menschen besser macht!“

Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky schloss an mit der Geschichte der SPD Schleswig op Platt, nicht ohne darauf hinzuweisen: „Wir haben auch ein türkisches Mitglied hier im Raum. Das muss für dich wie Kisuaheli klingen. Das tut mir leid, aber da musst du durch!“ Unter anderem berichtete Klaus Nielsky von den Krisen und Erfolgen der SPD in Schleswig, aber auch von der Entwicklung der Mitgliederzahl und der Arbeit der SPD Schleswig in der Kommunalpolitik. Und natürlich wies er darauf hin, dass am 3. Mai 1945 die Neugründung der SPD Schleswig nach dem Verbot während der Nazi-Zeit erfolgte und damit auf den Tag genau 68 Jahre vor der Jubiläumsveranstaltung: „Birte, dat Datum is sensibel utsöcht!“ Der feierliche Rahmen der Jubiläumsveranstaltung wurde genutzt, um einige Mitglieder zu ehren. Die Präsidentin des Landessozialgerichts Schleswig-Holstein, Dr. Christine Fuchsloch, wurde ebenso für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt wie ihr Mann, Christian Dicke und der Vorgänger von Birte Pauls als Ortsvereinsvorsitzender Peter Schellhorn. Monika Nielsky wurde geehrt für ihre jahrelange Arbeit an der Zeitschrift der Schleswiger SPD, der Backbord, von der alle Ausgaben auf dem Festakt eingesehen werden konnten.

Birte Pauls schloss die Veranstaltung mit einem Aufruf an die anderen Parteien und Verbände: „Lasst es und miteinander machen und nicht gegeneinander!“

Jan Holm Hansen-Puschbeck

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