Schleswiger SPD-Basis nominiert Astrid Henriksen als Bürgermeisterkandidatin

Mit 45 Ja-Stimmen (bei einer Nein-Stimme) erhielt Astrid Henriksen ein überzeugendes Votum der Schleswiger SPD-Mitglieder und tritt damit im kommenden Jahr bei der Schleswiger Bürgermeisterwahl an. Die 46-jährige Bremerhavenerin ist Volljuristin und Amtsdirektorin und leitet derzeit das Sozialamt der Stadt Bremerhaven mit 110 Mitarbeitern.

Nahezu 100 Teilnehmer konnte SPD-Ortsvereinsvorsitzende Birte Pauls auf der öffentlichen Mitgliederversammlung am 1. Oktober im Hotel Hohenzollern begrüßen. Davon 46 wahlberechtigte SPD-Mitglieder und ca. 50 Bürgerinnen und Bürger, Vertreter anderer Parteien sowie Vertreter aus der Schleswiger Wirtschaft und von Vereinen und Verbänden.

Kandidatensuche mit Profil

Zunächst stellte Pauls das Verfahren vor:
Schon vor einem Jahr hat die SPD eine Findungskommission gebildet und ein Profil für eine mögliche Kandidatin oder einen möglichen Kandidaten erarbeitet. Es sollte eine Person sein, die länger als eine Wahlperiode zur Verfügung steht – also möglichst unter 50 Jahre alt ist. Es sollte eine Person mit Fachkompetenz, Führungs- und Verwaltungserfahrung sein. Außerdem sollte sie in der Lage sein, die Stadt nach außen zu repräsentieren.

Mit diesem Auftrag ging die Findungskommission, bestehend aus den geschäftsführenden Vorständen von Partei und Fraktion, auf die Suche. Die SPD-Mitglieder wurden über die geplante Vorgehensweise informiert.

Nach einem Treffen der Findungskommission mit Astrid Henriksen am 16. September wurde Henriksen dann am 18. September dem gesamten SPD-Fraktionsvorstand und der SPD-Fraktion vorgestellt. In geheimer Wahl wurde einstimmig beschlossen, Astrid Henriksen der Mitgliederversammlung als Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Schleswig zu empfehlen.

Am 28. September erhielten dann alle Schleswiger SPD-Mitglieder einen Brief von Astrid Henriksen mit einer ausführlichen persönlichen Vorstellung, am gleichen Tag wurde Henriksen der Schleswiger Presse vorgestellt. Am 1. Oktober fand dann die öffentliche Mitgliederversammlung statt.

Birte Pauls meinte sichtlich stolz: „Wir sind sehr froh, dass wir eine kompetente Frau gefunden haben, die genau in das Profil passt. Die Entscheidung, ob Astrid Henriksen als Bürgermeisterkandidatin für Schleswig antritt, liegt heute bei unseren Mitgliedern.“ Und Pauls weiter: „Die Schleswiger SPD steht für ein transparentes Verfahren, deswegen haben wir auch öffentlich zur heutigen Mitgliederversammlung eingeladen. Das hat bedauerlicherweise zu Kritik bei den anderen Schleswiger Parteien geführt.“

Vorstellung Astrid Henriksen

Nach den einführenden Worten von Birte Pauls erhielt Astrid Henriksen die Gelegenheit, sich vorzustellen. Henriksen freute sich über das große Interesse an der Veranstaltung, die hohe Beteiligung zeigt auch großes Interesse an der Kommunalpolitik. Zunächst beschrieb Henriksen ihren beruflichen Werdegang. Nach dem Jurastudium in Hamburg war sie in Neuruppin als stellvertretende Amtsleiterin im Rechtsamt tätig und wurde anschließend Fachbereichsleiterin für Bau, Planung und Umwelt der Stadt Weyhe bei Bremen. Derzeitig ist die Amtsdirektorin in der Stadt Bremerhaven Leiterin des Sozialamtes mit 110 Mitarbeitern und verantwortlich für ein Finanzvolumen von 200 Mio. Euro.

Ihre Arbeitsphilosophie ist von ihrem Lieblingssport Judo geprägt, den sie als Leistungssport betrieben hat. „Durch Judo habe ich gelernt, fair, gelassen, geduldig und ausdauernd das gesetzte Ziel zu verfolgen und sich bietenden Gelegenheiten im rechten Moment zu ergreifen. Und ich habe gelernt zu kämpfen.“

Henriksen betonte, dass ihre Mitgliedschaft in der SPD die Basis für ihr persönliches Selbstverständnis ist. „Nichts desto trotz ist die Bürgermeisterin unabhängig und Bürgermeisterin aller Schleswiger. Ich sehe es als Vorteil an, dass ich für dieses Amt einen unvoreingenommenen und unverstellten Blick von außen mitbringe.“

Arbeitsweise

Ihre Arbeitsweise beschreibt Henriksen wie folgt: „Ich stehe für:

– vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Kommunalpolitik,
– professionelle Vorbereitung der Beschlüsse für die Ratsversammlung und deren schnelle Umsetzung,
– gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden und dem Kreis,
– auch jetzt schon ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden mein täglich Brot,
– ich stehe für Zukunftsorientierung und Gestaltungswillen,
– geschlossenes Auftreten der Verwaltung nach außen,
– Transparenz und Bürgerbeteiligung bei großen Projekten – z.B. Modernisierung der Ladenstraße.
Dabei habe ich hohen Respekt und Achtung vor ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern.“

Erste Ziele für Schleswig

Henriksen äußerte, dass sie in der kurzen Zeit natürlich noch nicht alle Schleswiger Belange kennen lernen konnte. Sie hat allerdings schon wahrgenommen, dass man sich für die Entwicklung Schleswigs einen Motor wünscht, das will sie sein. Und sie benannte auch schon erste Ziele:

– die Weiterentwicklung der Bildungslandschaft. Das beginnt mit einer frühen Förderung der unter 3-jährigen und geht bis hin zu einer gebundenen Ganztagsschule.

– Stadtteilentwicklung. Entwicklung von Wohnformen im Alter, die ein lebenslanges Wohnen in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung von Schleswig-Süd und der Modernisierung der Ladenstraße.

– Gesundheitsstandort Schleswig. Es gilt, Schleswig als Gesundheitsstadt noch bekannter zu machen. Der Krankenhausneubau ist ein starkes Rückgrat für diese Entwicklung. Dieser Standortvorteil wird durch das Kulturangebot und die Sehenswürdigkeiten unterstrichen. Das macht Schleswig auch für die Ansiedlung von Unternehmen attraktiv, die in diesen Bereichen tätig sind.

– Aktiv gestaltende Verwaltung. Eine moderne Verwaltung ist Dienstleister für die Bürger und die Wirtschaft. Sie ist Partner für die Kommunalpolitik, indem sie Beschlüsse professionell vorbereitet und zügig und effizient umsetzt.

Viel Beifall für Henriksen

Henriksen abschließend: „Schleswig verdient eine Bürgermeisterin, die die Verwaltung engagiert führt und für die Zukunft fit macht. Dafür bitte ich um Ihre Unterstützung.“ Für ihre engagierte Rede erhielt sie einen langanhaltenden Applaus.

Nach ihrer persönlichen Vorstellung stellte sich Henriksen den Fragen der Schleswigerinnen und Schleswiger, die sie sehr souverän beantwortete – nahezu jede Antwort wurde mit großem Beifall bedacht. (Eine Auswahl der Fragen und der Antworten finden sie etwas weiter unten)

Wahl mit Spannung erwartet – eindeutiges Votum der SPD-Basis

Dann folgte die mit Spannung erwartete Wahl. Eckhard Haeger leitete die Mandatsprüfungskommission. Er gab bekannt, dass alle in Schleswig wohnenden SPD-Mitglieder, die mindestens 16 Jahre alt und EUStaatsbürger sind, stimmberechtigt sind. 46 stimmberechtigte Mitglieder waren anwesend. Nachdem Birte Pauls die obligatorische Frage gestellt hatte, ob es weitere Kandidaten gibt – was nicht der Fall war – wurde eine geheime Wahl durchgeführt. Nach Auszählung der Stimmzettel konnte SPD-Fraktionsvorsitzender Karsten Reimer das Ergebnis bekannt geben: „Es wurden 46 Stimmen abgegeben. Auf Astrid Henriksen entfielen 45 Ja-Stimmen und eine Nein-Stimme.“ Henriksen freute sich sichtlich: „Vielen, vielen Dank für dieses tolle Ergebnis.“ Und wurde erneut mit langem Beifall aus dem vollen Saal bedacht.

Schleswig, 4. Oktober 2012
Stephan Dose

Fragen und Antworten (in Auszügen)

Harry Heide (Ratsmitglied, SSW): die Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und den Schleswiger Stadtwerken und den Eigenbetrieben läuft derzeit nicht gut.
Henriksen: Das wird sich ändern. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Geschäftsführung ist unerlässlich. Ich kenne die genaue Situation noch nicht, aber ich stehe grundsätzlich dafür ein, die Betriebe in kommunaler Hand zu belassen.
Heide: Das wollte ich hören.

Eckhard Haeger (Ratsmitglied, SPD): Wirst Du für den Fall der Wahl in Schleswig wohnen?
Henriksen: Selbstverständlich, am liebsten direkt gegenüber dem Rathaus.

Karsten-Peter Brodersen (Kreistagsmitglied; FDP Kreisvorsitzender und ehemaliger Landtagsabgeordneter): Was können Sie zur Haushalts- und Finanzproblematik sagen?
Henriksen: Auch Bremerhaven ist nicht auf Rosen gebettet. Ich kann allerdings gut wirtschaften. In den letzten Jahren bin ich immer mit den zur Verfügung gestellten Mitteln ausgekommen und habe das Budget stets eingehalten. Dadurch brauchte ich keine Nachtragshaushalte aufstellen. Man darf eben nicht über seine Verhältnisse leben.

Muazzezz Demiyürek: Wie ist ihr Verhältnis zu ausländischen Mitbürgern?
Henriksen: Ich habe vielfältige Kontakte aus meiner täglichen Arbeit. Aktuell arbeite ich an einem Partizipations- und Integrationsprojekt, das von gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung geprägt ist.

Fiete Meyer: Kennst Du die Problematik um das Landestheater?
Henriksen: Ja, diese Problematik ist mir schon bekannt. Es ist ungemein wichtig, dass es hier in Schleswig erhalten bleibt. Das Landestheater hat eine herausragende Bedeutung. Letztendlich ist es eine Entscheidung der Ratsversammlung. Ich werde mich jedoch für den Erhalt einsetzen.

Ellen Mangold: woran arbeitest Du aktuell in Bremerhaven?
Henriksen: an der Sozialstruktur, an der Einrichtung von Seniorentreffpunkten, an Projekten zur generationenübergreifenden Zusammenarbeit. In der Gestaltung der Sozialstruktur kann man für Bürger viel erreichen. Das lässt sich auch auf Schleswig übertragen.

Uwe Schröder (SPD-Fraktion): Nachfrage zur Einrichtung einer gebundenen Ganztagsschule?
Henriksen: Ich weiß, dass das Thema nicht unumstritten ist, ich werde aber auch kritische Themen angehen.

Erneut Karsten-Peter Brodersen: zu welchen SPD-Flügel gehören Sie? Bemerkung Birte Pauls: Das fragt ausgerechnet jemand aus der FDP.
Henriksen: Ich könnte da salomonisch antworten: ich stehe in der Mitte. Diese Frage gibt mir allerdings die Gelegenheit, nochmals zu betonen, dass ich keine SPD-Bürgermeisterin sein möchte und auch nicht sein werde. Ich möchte Bürgermeisterin aller Schleswiger werden.

R. Keil, Neuberend: Warum Schleswig?
Henriksen schmunzelnd: ich habe gerade vorhin eine Diskussion mit jemandem geführt, ob Schleswig Hauptstadt war oder noch ist, auch im Sinne Kulturhauptstadt. Egal wie, für mich ist Schleswig Hauptstadt der Herzen. Ich habe hier schon einiges gesehen und bin begeistert.

M. Hart: Sie kommen von außen und arbeiten auch weiterhin in Bremerhaven. Wie wollen Sie sich über Schleswig informieren?
Henriksen: zum einen natürlich über die Medien. Aber insbesondere, indem ich auf die Menschen zugehe und den Kontakt zu den Vereinen und Verbänden suche. Das werde ich in den nächsten Wochen und Monaten intensiv tun.

Birte Pauls: Wenn keine weiteren Fragen sind, habe ich noch eine. Wie geht es weiter? Was sind die nächsten Schritte?
Henriksen: Ich werde die anderen Fraktionen bzw. Parteien kontaktieren, um mich dort bekannt zu machen. Ebenso werde ich die Ratsversammlung und Ausschusssitzungen besuchen so oft es geht. Als erstes steht jedoch an, dass ich mich beim Bürgermeister und beim Bürgervorsteher vorstelle.

( Anmerkung Pauls: Der ja auch heute Abend netterweise hier ist)

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